Der Solarregler ist das unscheinbarste Bauteil einer Solarthermieanlage und zugleich eines der wichtigsten. Er entscheidet, wann die Solarpumpe läuft, wie schnell sie dreht und wann sie zum Schutz der Anlage abschaltet. Wer die Solarregler Funktionen kennt, kann den Ertrag seiner Anlage besser nutzen, Fehler früh erkennen und die Lebensdauer von Kollektoren, Speicher und Solarflüssigkeit verlängern. Trotzdem bleiben viele Regler ihr Leben lang auf Werkseinstellung.
In diesem Ratgeber erklären wir, wie die Temperaturdifferenzregelung arbeitet und welche Einstellwerte üblich sind. Außerdem gehen wir auf Schutzfunktionen wie Speichermaximaltemperatur und Kollektornotabschaltung ein, stellen Sonderfunktionen für Röhrenkollektoren vor und zeigen, was Wärmemengenzählung und Datenlogging im Alltag bringen.
Was ein Solarregler in der Solarthermieanlage macht
Ein Solarregler ist im Kern ein Temperaturdifferenzregler. Er vergleicht ständig zwei Temperaturen: die am Kollektor, gemessen über einen Fühler im Vorlauf an der heißesten Stelle des Kollektorfelds, und die im unteren Bereich des Speichers, wo das kälteste Wasser liegt. Ist der Kollektor um einen eingestellten Wert wärmer als der Speicher, schaltet der Regler die Solarpumpe ein und transportiert die Wärme in den Speicher. Sinkt der Unterschied, schaltet er sie wieder ab.
Als Temperaturfühler kommen meist Platin-Messwiderstände vom Typ Pt1000 zum Einsatz. Einfache Regler haben zwei oder drei Fühlereingänge und ein Relais für die Pumpe, umfangreichere Modelle steuern mehrere Speicher, zwei Kollektorfelder mit Ost-West-Ausrichtung oder zusätzliche Verbraucher wie eine Nachheizung. Wichtig ist, dass die Fühler gut im Tauchrohr sitzen und Kontakt zur Wärmeträgerflüssigkeit haben. Ein schlecht platzierter Kollektorfühler ist eine der häufigsten Ursachen für eine Anlage, die zu spät oder gar nicht anspringt.
Temperaturdifferenz: Einschalt- und Ausschaltdifferenz richtig einstellen

Die zentrale Einstellung ist die Einschaltdifferenz. Sie gibt an, um wie viel Kelvin der Kollektor wärmer sein muss als der Speicher, bevor die Pumpe startet. Die Ausschaltdifferenz liegt niedriger, damit die Pumpe nicht ständig ein- und ausschaltet. Fachquellen nennen übliche Einschaltdifferenzen von 5 bis 7 Kelvin und Ausschaltdifferenzen um 2 Kelvin. In der Anleitung des verbreiteten Reglers RESOL DeltaSol BX sind ab Werk zum Beispiel 6 Kelvin zum Einschalten und 4 Kelvin zum Ausschalten hinterlegt.
| Parameter | Bedeutung | Werkseinstellung DeltaSol BX laut Anleitung |
|---|---|---|
| Einschaltdifferenz | Pumpe startet, wenn der Kollektor um diesen Wert wärmer ist als der Speicher | 6 K |
| Ausschaltdifferenz | Pumpe stoppt, wenn der Unterschied auf diesen Wert sinkt | 4 K |
| Solltemperaturdifferenz | Ab diesem Wert erhöht die Drehzahlregelung die Pumpenleistung | 10 K |
| Speichermaximaltemperatur | Oberhalb dieses Werts wird nicht weiter geladen | 60 °C |
| Kollektornotabschaltung | Pumpe stoppt zum Schutz der Anlage | 130 °C |
Bei langen Rohrleitungen zwischen Dach und Speicher kann eine etwas höhere Einschaltdifferenz sinnvoll sein. Die Leitungen kühlen sonst beim Anlaufen das warme Kollektorwasser so stark ab, dass die Pumpe gleich wieder stoppt. Taktet die Anlage morgens häufig, ist das ein Hinweis auf zu knapp eingestellte Differenzen.
Drehzahlregelung der Solarpumpe
Viele Regler steuern die Solarpumpe in der Drehzahl, bei Hocheffizienzpumpen meist über ein PWM-Signal. Die Pumpe läuft dann nur so schnell wie nötig, um eine Solltemperaturdifferenz zu halten. Das spart Pumpenstrom und sorgt bei schwacher Einstrahlung für nutzbar warmes Wasser im Speicher statt lauwarmer Umwälzung.
Schutzfunktionen: Speichermaximum, Notabschaltung und Kühlung
An sonnigen Sommertagen liefert eine Solaranlage oft mehr Wärme, als gebraucht wird. Die Speichermaximaltemperatur begrenzt deshalb die Beladung. Höhere Werte erhöhen den Wärmevorrat, aber auch Kalkablagerungen und Wärmeverluste. Ist der Speicher voll, steigt die Temperatur im Kollektor weiter an. Überschreitet sie die Grenze der Kollektornotabschaltung, bleibt die Pumpe aus, damit keine überhitzte Flüssigkeit oder Dampf in den Solarkreis gelangt. Die Anlage geht dann in den Stillstand, auf den Ausdehnungsgefäß und Solarflüssigkeit ausgelegt sein müssen.
Ergänzend bieten viele Regler Kühlfunktionen. Die Kollektorkühlung hält die Kollektortemperatur im Betriebsbereich, indem sie den Speicher über das eingestellte Maximum hinaus weiter belädt, laut Anleitung des DeltaSol BX bis zu einer Sicherheitsgrenze von 95 °C. Die Rückkühlfunktion gibt überschüssige Wärme nachts wieder über den Kollektor ab, damit der Speicher am nächsten Tag Reserven hat. Eine Frostschutzfunktion, die bei niedrigen Kollektortemperaturen Wärme aus dem Speicher in den Kollektor pumpt, ist nur für Regionen mit wenigen Frosttagen gedacht. Üblich ist in Deutschland eine Solarflüssigkeit mit Frostschutzmittel.
Sonderfunktionen: Röhrenkollektor, Thermostat und Mehrspeicher

Bei Vakuumröhrenkollektoren sitzt der Fühler oft so, dass er die Erwärmung erst verzögert erkennt. Die Röhrenkollektorfunktion schaltet die Pumpe deshalb in einem Zeitfenster tagsüber kurz ein, damit warme Flüssigkeit am Fühler vorbeiströmt. Beim DeltaSol BX läuft die Pumpe ab Werk zwischen 7 und 19 Uhr nach jeweils 30 Minuten Stillstand für 30 Sekunden. So erkennt der Regler früher, dass sich das Laden lohnt.
Über eine Thermostatfunktion kann der Regler zusätzlich eine Nachheizung durch Heizkessel oder Heizstab freigeben, wenn die Solarwärme nicht reicht. Für die thermische Desinfektion des Warmwassers gelten eigene Vorgaben, die wir im Ratgeber Legionellenschaltung erklären. Bei Anlagen mit zwei Speichern oder einem Schichtenspeicher regelt eine Vorranglogik, welcher Speicher zuerst beladen wird.
Wärmemengenzählung und Datenlogging
Viele Solarregler können die gewonnene Wärme bilanzieren. Dafür braucht der Regler die Temperaturen in Vor- und Rücklauf sowie den Volumenstrom, entweder über ein Volumenmessteil oder als fest eingestellten Wert vom Durchflussmesser der Solarstation. Wichtig ist außerdem die richtige Angabe von Art und Konzentration des Frostschutzmittels, denn die Wärmekapazität der Solarflüssigkeit unterscheidet sich von der des Wassers. Die Werte sind eine gute Plausibilitätskontrolle, ersetzen aber keinen geeichten Wärmemengenzähler.
Mit Datenlogging werden Temperaturen, Pumpenlaufzeiten und Erträge über längere Zeit aufgezeichnet, je nach Regler auf einer SD-Karte, über eine Datenschnittstelle am PC oder über ein Internetmodul. So lassen sich Fehler erkennen, die im Alltag niemand bemerkt: ein Kollektor, der heiß wird, während die Pumpe steht, ein auffällig niedriger Ertrag im Sommer oder häufige Stillstände. Ein Blick in die Daten gehört deshalb auch zur jährlichen Wartung, wie im Ratgeber Heizungswartung im Sommer beschrieben.
Den passenden Solarregler auswählen
Welcher Regler zu Ihrer Anlage passt, hängt vor allem vom Anlagenschema ab. Eine Standardanlage mit einem Kollektorfeld und einem Speicher braucht nur eine Temperaturdifferenzregelung mit einem Relais für die Solarpumpe. Kommen ein zweiter Speicher, ein Schwimmbad, eine Ost-West-Ausrichtung, eine Nachheizung oder eine Heizungsunterstützung hinzu, steigt die Zahl der benötigten Fühlereingänge und Ausgänge. Zählen Sie deshalb vor dem Kauf, wie viele Temperaturen gemessen und wie viele Pumpen, Ventile oder Wärmeerzeuger geschaltet werden sollen, und planen Sie eine kleine Reserve ein.
Wichtig ist außerdem die Pumpenansteuerung. Moderne Hocheffizienzpumpen erhalten ihre Drehzahl über ein PWM-Signal, während ältere Standardpumpen über ein Relais geschaltet werden. Prüfen Sie im Datenblatt der Pumpe, welches Signal sie erwartet, und achten Sie darauf, dass der Regler den passenden Ausgang hat. Wer den Ertrag erfassen möchte, braucht einen Eingang für ein Volumenmessteil oder einen Durchflusssensor. Die folgende Übersicht zeigt einige Regler aus dem Resol-Sortiment mit den Angaben laut Hersteller:
| Regler | Fühlereingänge | Ausgänge | Typischer Einsatz |
|---|---|---|---|
| DeltaSol A / AX / AX HE | 2 (Pt1000) | 1 Relais, AX HE zusätzlich PWM | Einfache Temperaturdifferenzregelung |
| DeltaSol CS Plus | 4 (Pt1000) | 2 Halbleiterrelais, 2 PWM | Standardanlage, 10 Grundsysteme |
| DeltaSol SL / SLT | 4 | 3 Halbleiterrelais, 1 potenzialfreies Relais, 2 PWM | Solar- und Heizsysteme, 27 Grundsysteme |
| DeltaSol BX | 5 (Pt1000) | 3 Halbleiterrelais, 1 Relais, 2 PWM | Ein oder zwei Speicher, SD-Karte |
| DeltaSol MX | 12 | 14 Relais, 4 PWM | Größere Anlagen mit mehreren Anlagenteilen |
Für ein klassisches Einfamilienhaus mit Trinkwasserspeicher reicht oft ein kompakter Solarregler mit zwei Relais. Wer Heizungsunterstützung, thermische Desinfektion und Zonenladung kombinieren möchte, ist mit einem Systemregler besser beraten. Bei einem Austausch sollten Sie zudem prüfen, ob die vorhandenen Fühler vom Typ Pt1000 weiterverwendet werden können und ob der neue Regler in die vorhandene Klemmenabdeckung und Kabelführung passt. Die Inbetriebnahme mit Auswahl des Grundsystems, Fühlerzuordnung und Pumpentest übernimmt am besten ein Fachbetrieb. Auf Wunsch übernehmen unsere Installationspartner Montage, Anschluss und Inbetriebnahme beim Kunden.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass der Solarregler falsch eingestellt ist?
Typische Hinweise sind eine Pumpe, die morgens ständig ein- und ausschaltet, ein Kollektor, der heiß wird, ohne dass die Pumpe startet, oder ein Speicher, der trotz Sonne kalt bleibt. Prüfen Sie zuerst die Fühlerwerte und deren Sitz.
Kann ich einen alten Solarregler gegen ein neues Modell tauschen?
In der Regel ja, sofern Fühlertyp, Pumpenansteuerung und Anlagenschema passen. Bei Hocheffizienzpumpen mit PWM-Eingang sollte auch der neue Regler ein passendes Signal liefern.
Wie hoch sollte die Speichermaximaltemperatur sein?
Das hängt von Speicher, Wasserhärte und Verbrauch ab. Die zulässigen Grenzen nennt der Speicherhersteller. Höhere Werte vergrößern den Vorrat, fördern aber Kalk und Wärmeverluste.
Braucht ein Solarregler eine Internetverbindung?
Nein, die Regelung funktioniert eigenständig. Eine Verbindung ist nur für Fernzugriff, Benachrichtigungen und komfortables Datenlogging nötig.
Welche Fühler braucht ein Solarregler?
Mindestens einen Kollektorfühler und einen Speicherfühler unten. Viele Regler arbeiten mit Pt1000-Fühlern. Weitere Fühler für Speicher oben, Rücklauf oder einen zweiten Speicher werden je nach Anlagenschema ergänzt.
Fazit
Ein Solarregler steuert die Solarthermieanlage über die Temperaturdifferenz zwischen Kollektor und Speicher und schützt sie mit Funktionen wie Speichermaximum, Kollektornotabschaltung und Kühlfunktionen. Wer Einschalt- und Ausschaltdifferenz an die eigene Anlage anpasst, vermeidet häufiges Takten und nutzt mehr Sonnenwärme. Für Röhrenkollektoren lohnt die passende Sonderfunktion, und Wärmemengenzählung und Datenlogging machen Erträge und Fehler sichtbar. Ein Blick in die Anleitung und auf die Messwerte lohnt sich deshalb mindestens einmal im Jahr. Passende Regler und Komponenten finden Sie in unseren Kategorien Solarregler, Solartechnik und Heizung.



































