Lüftungsanlagen
56 ArtikelHier finden Sie dezentrale Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung für einzelne Räume und zentrale Lüftungsgeräte für die ganze Wohnung, unter anderem von Blauberg, S&P, Nilan und DUCO. Dezentrale Geräte werden direkt in die Außenwand eingebaut und kommen ohne Kanalnetz aus, zentrale Geräte versorgen alle Räume über Lüftungsleitungen. Was Sie bei Auswahl, Planung, Einbau und Wartung beachten sollten, erklärt der folgende Ratgeber.
Dezentrale Lüftung: so funktioniert sie
Eine dezentrale Lüftungsanlage besteht aus einzelnen Lüftungsgeräten, die jeweils in einer Außenwand sitzen und einen Raum mit Außenluft versorgen. Ein Kanalnetz wie bei der zentralen Wohnraumlüftung ist nicht nötig. Jedes Gerät enthält einen Ventilator, einen Wärmetauscher oder Wärmespeicher und einen Filter, außen schützt eine Haube vor Regen und Insekten. Bedient werden die Geräte je nach Modell über ein Bedienfeld, eine Fernbedienung oder eine App. Viele Modelle haben einen Feuchtesensor, der die Lüfterstufe bei hoher Luftfeuchte anhebt.
Einen ausführlichen Systemvergleich mit Kosten und Förderung finden Sie im Ratgeber Zentrale vs. dezentrale Lüftung.
Wärmerückgewinnung: Pendelprinzip und Gegenstromprinzip
Pendelprinzip (Push-Pull)
Pendellüfter arbeiten mit einem Ventilator, der die Förderrichtung wechselt, und einem keramischen Wärmespeicher. Zuerst führt das Gerät warme Raumluft nach außen und lädt dabei den Speicher auf. Dann kehrt es die Richtung um, und die einströmende Außenluft nimmt die gespeicherte Wärme wieder auf. Beim Blauberg VENTO inHome S11 wechselt die Richtung laut Hersteller alle 70 Sekunden. Pendellüfter werden paarweise betrieben: Während ein Gerät Abluft nach außen fördert, führt das zweite Außenluft zu, danach tauschen beide die Rolle.
Gegenstromprinzip und Geräte mit gleichzeitiger Zu- und Abluft
Geräte mit Gegenstromwärmetauscher fördern Zuluft und Abluft gleichzeitig über getrennte Luftwege. Die Wärme geht im Wärmetauscher von der Abluft auf die Zuluft über, ohne dass sich die Luftströme mischen. Ein solches Gerät gleicht den Luftaustausch eines Raums allein aus und braucht kein Partnergerät. Beispiele sind die wandhängenden Geräte der Serie Blauberg Freshbox mit Enthalpie-Gegenstromwärmetauscher. Auch der Blauberg Freshpoint 160-E Pro fördert mit zwei Ventilatoren gleichzeitig Zu- und Abluft, hier über einen Wärmetauscher aus Kupfer, und braucht nur eine Kernbohrung.
Wie viel Wärme ein Gerät zurückgewinnt, geben Hersteller als Wärmerückgewinnungsgrad an. Für den VENTO Expert A50-1 nennt Blauberg maximal 93 %, für den VENTO inHome S11 maximal 95 % und für den Freshpoint 160-E 88 %. Das sind Höchstwerte. Die Ökodesign-Angabe beim Referenzvolumenstrom liegt beim VENTO inHome S11 bei 74 %. Vergleichen Sie Geräte deshalb immer anhand derselben Kennzahl. Mehr dazu im Ratgeber Wärmerückgewinnung erklärt. Ob sich zusätzlich eine Feuchterückgewinnung lohnt, klärt der Beitrag zum Enthalpietauscher.
Einsatz im Bestand und im Neubau
Im Bestand ist die dezentrale Lüftung oft die naheliegende Lösung: Je Gerät genügen eine Wandöffnung und ein Stromanschluss, Decken und Böden bleiben unberührt, und Sie können Raum für Raum vorgehen. Das ist vor allem nach einem Fenstertausch oder einer Fassadendämmung interessant, wenn das Gebäude dichter geworden ist. Wie der Einbau abläuft, zeigt der Ratgeber Dezentrale Lüftung nachrüsten.
Im Neubau sind beide Systeme möglich. Laut Blauberg eignen sich die VENTO Geräte für den Neubau ebenso wie für die Nachrüstung. Wenn Leitungen ohnehin in Decken und Wänden eingeplant werden können, lohnt der Vergleich mit einer zentralen Anlage. Dezentrale Geräte bleiben interessant, wenn einzelne Räume getrennt geregelt werden sollen oder kein Platz für ein Zentralgerät und Kanäle vorhanden ist.
Planung: Anzahl der Geräte je Raum und Paarbetrieb
Ausgangspunkt ist der Luftbedarf je Raum. Als grobe Orientierung rechnen Sie mit Raumvolumen mal Luftwechselrate oder mit etwa 30 m³/h je anwesender Person, die Berechnung zeigt der Ratgeber Volumenstrom berechnen. Vergleichen Sie diesen Bedarf mit dem Volumenstrom der Geräte im Wärmerückgewinnungsbetrieb und nicht mit dem Höchstwert im reinen Lüftungsbetrieb. Der VENTO Expert A50-1 W V.2 fördert laut Hersteller im Wärmerückgewinnungsbetrieb bis 25 m³/h, im Lüftungsbetrieb ohne Richtungswechsel bis 50 m³/h.
- Pendellüfter planen Sie immer paarweise, also zwei, vier oder sechs Geräte, die gegenläufig arbeiten. Die Geräte eines Paares werden über die Steuerung miteinander gekoppelt.
- Verteilen Sie die Geräte eines Paares möglichst auf gegenüberliegende Seiten der Wohnung, etwa Schlafzimmer und Wohnzimmer, damit die Luft durch die Wohnung strömt. Innentüren brauchen dafür einen Spalt oder einen Überströmdurchlass.
- Üblich ist ein Gerät je Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer, große Räume erhalten zwei Geräte.
- In Bad und WC wird häufig zusätzlich ein Abluftventilator vorgesehen, weil dort viel Feuchte und Geruch anfallen.
- Geräte mit gleichzeitiger Zu- und Abluft wie Freshpoint oder Freshbox arbeiten auch einzeln.
Kernbohrung und Wandstärke
Für jedes Wandgerät wird eine Kernbohrung durch die Außenwand gesetzt. Bei Geräten mit 160 mm Rohr wie dem VENTO inHome S11 oder dem Freshpoint 160-E Pro muss die Bohrung etwas größer sein als das Rohr, das genaue Maß nennt die Montageanleitung. Die Bohrung erhält ein leichtes Gefälle nach außen, damit Kondensat ablaufen kann. Prüfen Sie vorab die zulässige Wandstärke: Das Komplettset VENTO inHome S11 ist laut Hersteller für Wände von 255 bis 490 mm ausgelegt, der Freshpoint 160-E für 245 bis 440 mm. Bei dickeren Wänden klären Sie vor dem Kauf, ob es für das Gerät ein längeres Rohr gibt.
Bei tragenden Wänden, Sichtmauerwerk, Wärmedämmverbundsystem oder Leitungen in der Wand sollte ein Fachbetrieb bohren, der Elektroanschluss gehört ebenfalls in Fachhände. Zubehör wie die Bohrschablone VENTO inHome, Innenblenden und Ersatzteile finden Sie unter Zubehör und Ersatzteile.
Schall: worauf Sie achten sollten
Dezentrale Geräte sitzen direkt im Raum, deshalb ist der Schalldruckpegel ein wichtiges Auswahlkriterium. Vergleichen Sie nur Werte, die im gleichen Abstand gemessen wurden. Laut Blauberg erreicht der VENTO Expert A50-1 Pro in 3 m Abstand je nach Stufe 11 bis 21 dB(A), der VENTO inHome S11 11 bis 27 dB(A) und der VENTO Expert DUO A30-1 W V.2 24 bis 34 dB(A). Für den Freshpoint 160-E nennt der Hersteller 42 dB(A) in 3 m Abstand.
Planen Sie im Schlafzimmer so, dass die niedrige Stufe für den Nachtbetrieb ausreicht, und setzen Sie das Gerät nicht direkt neben das Kopfende des Betts. An lauten Straßen lohnt zusätzlich der Blick auf die Angabe zur Schalldämmung gegen Außenlärm im Datenblatt.
Filterwechsel und Filterklassen
Die Blauberg Geräte VENTO Expert, VENTO inHome und Freshpoint sind ab Werk mit einem Filter der Klasse G3 ausgestattet, nach ISO 16890 eine Grobstaubklasse (ISO Coarse). Er schützt Wärmetauscher und Ventilator vor Staub und Insekten. Für Allergiker gibt es je nach Gerät feinere Filter: Für den VENTO inHome S11 nennt Blauberg optional G4 (ISO Coarse über 60 %) und F7 (ISO ePM1 60 %), für den VENTO Expert A50 gibt es den Filter FP2 Vento F7 mit Halterung. Feinere Filter halten mehr Pollen und Feinstaub zurück, erhöhen aber den Luftwiderstand.
Kontrollieren Sie die Filter je nach Belastung etwa alle drei bis sechs Monate und reinigen oder tauschen Sie sie nach Herstellerangabe. Ersatz wie den Filtersatz VENTO Expert finden Sie in der Kategorie Luftfilter. Die Filterklassen erklärt der Ratgeber Filterklassen für Lüftungsanlagen, die Intervalle aller Bauteile der Wartungsplan Lüftungsanlage.
Unterschied zur zentralen Lüftung
Eine zentrale Lüftungsanlage versorgt die ganze Wohnung von einem Gerät aus. Zuluft strömt über Kanäle in Wohn- und Schlafräume, Abluft wird in Küche, Bad und WC abgesaugt. Filterwechsel und Wartung erfolgen an einer Stelle, und das Gerät steht außerhalb der Wohnräume. Dafür braucht es Platz für Gerät und Leitungen, was im Bestand oft aufwendig ist. Zentrale Geräte finden Sie in dieser Kategorie unter anderem von Nilan, DUCO, Blauberg und S&P, Leitungen und Formteile unter Lüftungsrohre und Formteile.
| Kriterium | Dezentrale Lüftung | Zentrale Lüftung |
|---|---|---|
| Luftverteilung | Geräte in der Außenwand, keine Kanäle | Ein Gerät, Kanäle zu allen Räumen |
| Einbau im Bestand | Raum für Raum mit Kernbohrung | Leitungen in Decken oder Wänden nötig |
| Wartung | Filter an jedem Gerät | Filter am Zentralgerät |
| Schall | Gerät im Raum, je nach Stufe hörbar | Gerät außerhalb der Wohnräume |
| Regelung | Je Raum oder Gerätepaar | Zentral für die Wohnung |
Lüftungskonzept nach DIN 1946-6
Die DIN 1946-6 regelt die Lüftung von Wohnungen. Ein Lüftungskonzept ist nach der Norm bei Neubauten zu erstellen und bei Modernisierungen, wenn im Mehrfamilienhaus mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht wird oder im Einfamilienhaus mehr als ein Drittel der Fenster ausgetauscht oder mehr als ein Drittel der Dachfläche neu abgedichtet wird. Das Konzept prüft, ob die Lüftung zum Feuchteschutz ohne Zutun der Bewohner gesichert ist, also auch ohne Fensteröffnen. Die Norm unterscheidet vier Stufen: Lüftung zum Feuchteschutz, reduzierte Lüftung, Nennlüftung und Intensivlüftung.
Ob und wie viele dezentrale Geräte die nötigen Volumenströme erreichen, ergibt sich aus diesem Konzept. Erstellen lassen Sie es von einer fachkundigen Person, etwa einem Energieberater oder einem Fachplaner für Lüftung. Details finden Sie im Ratgeber Lüftungskonzept nach DIN 1946-6.
Häufige Fragen zur dezentralen Lüftung
Wie viele dezentrale Lüfter brauche ich für eine Wohnung?
Pendellüfter arbeiten immer paarweise, üblich ist ein Gerät je Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmer. Die genaue Zahl ergibt sich aus dem Volumenstrom, den das Lüftungskonzept vorgibt, und aus dem Volumenstrom der Geräte im Wärmerückgewinnungsbetrieb.
Kann ich eine dezentrale Lüftung selbst einbauen?
Das Einsetzen des Innenteils und den Filterwechsel erledigen viele Bewohner selbst. Die Kernbohrung durch die Außenwand und den Elektroanschluss sollte ein Fachbetrieb übernehmen, besonders bei tragenden Wänden.
Wie laut ist eine dezentrale Lüftung?
Das hängt von Gerät und Stufe ab. Für den VENTO Expert A50-1 nennt Blauberg in 3 m Abstand 11 dB(A) auf der niedrigsten und 21 dB(A) auf der höchsten Stufe. Achten Sie beim Vergleich auf den gleichen Messabstand.
Wie oft muss ich den Filter wechseln?
Kontrollieren Sie die Filter je nach Staub- und Pollenbelastung etwa alle drei bis sechs Monate und reinigen oder tauschen Sie sie nach Herstellerangabe. Verschmutzte Filter verringern den Volumenstrom.
Was ist der Unterschied zwischen Lüftungsbetrieb und Wärmerückgewinnungsbetrieb?
Im Wärmerückgewinnungsbetrieb wechselt ein Pendellüfter regelmäßig die Richtung und gewinnt Wärme zurück. Im Lüftungsbetrieb fördert er ohne Richtungswechsel je nach Einstellung nur Zuluft oder nur Abluft, etwa wenn im Sommer keine Wärmerückgewinnung gewünscht ist.
Wird es mit dezentraler Lüftung im Winter kalt?
Der Wärmetauscher wärmt die Außenluft vor, bevor sie in den Raum strömt. Bei sehr tiefen Außentemperaturen ist die Zuluft dennoch kühler als die Raumluft. Einige Geräte wie der Freshpoint 160-E Pro haben deshalb ein zuschaltbares Heizelement, laut Hersteller mit 100 W.
Darf ich in einer Miet- oder Eigentumswohnung nachrüsten?
In der Mietwohnung brauchen Sie die Zustimmung des Vermieters, am besten schriftlich. In der Eigentumswohnung gehört die Außenwand in der Regel zum Gemeinschaftseigentum, dann ist ein Beschluss der Eigentümergemeinschaft nötig. Bei denkmalgeschützten Gebäuden fragen Sie vorab bei der Denkmalbehörde nach.
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